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Lichtfallen mit Weitwinkel

Im Juni 2021 führte Wolfgang Baus ein Interview mit mir durch, das ich hier wiedergebe. Er hat mir für meinen Fotoapparat einen Weitwinkelaufsatz geliehen. Mit diesem spielte ich eine Weile herum, und bin begeistert. Entsprechend freue ich mich über die Veröffentlichung des Interviews.

#piaparolinphoto #wolfgang.baus #shootGR_Grasse 

Ricoh Imaging: Du bist in der Streetphotography schon lange keine Unbekannte mehr. Erstmals kamen wir anlässlich unserer GR-Streetphoto Challenge in Berührung. Seit diese Zeit kreuzen sich unsere Wege immer wieder. Und nicht zuletzt hast Du mit Deinem Buch „Flow- Fotografieren als Glückserlebnis“ auf Dich aufmerksam gemacht. Nachdem Du schon einige Zeit mit der Ricoh GRIII fotografierst hast Du nach hin- und herüberlegen jetzt auch mal den Weitwinkelvorsatz ausprobiert, und bist ganz begeistert. Erzähl doch mal…

Pia Parolin Ich liebe es, Lichtfallen zu finden und Menschen darin fotografisch zu „fangen“. Ich suche in der Altstadt von hübschen Dörfern nach besonderen Licht-Schatten-Situationen und nach Farbtupfern, die in der grellen Sonne aufblitzen. Dann positioniere ich mich so, dass ich einen interessanten Bildausschnitt vor mir habe und warte. Wie die Katze vor dem Mauseloch stehe ich in Hab-Acht-Stellung an eine Wand gelehnt oder auch mitten auf der Straße. Dabei möchte ich die Menschen nicht belästigen. Ich will, dass sie sich normal verhalten und einfach in meine Lichtfalle tappen. Ich möchte niemanden erkennbar fotografieren, es geht mir nicht um das Portrait eines Unbekannten. Was ich suche, sind farbige Lichtspiele, in denen das Element Mensch das Unerwartete, Spannende ist, das sich in meinen vorgewählten Rahmen einfügt.

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Ricoh Imaging Dafür hast Du Dir eine Strategie zur „Tarnung“ ausgedacht, und einen kleinen Helfer gefunden…

Pia Parolin Je weniger ich als Fotografin in der engen Gasse auffalle, desto besser. Dafür habe ich meine Strategie gefunden: eine möglichst kleine, unauffällige Kamera und ein möglichst naives Erscheinen als Touristin, die scheinbar gar nicht viel Ahnung von der Technik hat. Und das hat bisher ganz gut funktioniert. Seit ein paar Monaten fotografiere ich mit der Ricoh GR III. Eine kleine Kamera habe ich schon immer bei meinen Reisen, auf denen ich nur mit einem Handgepäckkoffer auskommen muss, geschätzt, und da habe ich seit längerem mit der GRIII geliebäugelt, fand sie aber doch recht teuer. Die Idee „viel Geld für wenig Kamera“ zu bekommen, habe ich dann aber doch verworfen. Und da ist dieser kleine unscheinbare schwarze Apparat genial für genau mein Vorhaben! Denn bei der Streetphotography kommt es mir außer klein und unscheinbar besonders auf Schnelligkeit und gute Schärfe bei komplizierten Lichtverhältnissen an. Meine kleine Ricoh ist perfekt dafür! Meine anderen Kameras, die ich immer noch liebe, habe ich seit Wochen nicht mehr angerührt…

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Ricoh Imaging Und für Dein Projekt mit dem Arbeitstitel „Lichtfallen mit Weitwinkel“ hast Du Dir etwas Besonderes überlegt…

Pia Parolin Ja, ich wollte einmal den Weitwinkelkonverter ausprobieren. Dadurch ist meine kleine Handtaschen-Ricoh doch auf das Format einer auffälligen Kamera gewachsen, was meine einstudierte naive-Touristin-Haltung aber kein Abbruch tut, denn die Leute nehmen mich zwar in meiner bunten Hose und mit Sonnenhut wahr, aber nehmen mich keineswegs ernst. Manche Männer, neben deren Geschäften ich länger stand und auf Motive wartete gaben mir sogar Tipps. Ich wurde eins mit der Straße, den Menschen und der Umgebung, um hier genau meine Art von Fotografieren umzusetzen. Ich ging also mit dem aufgesetzten Weitwinkel los und es machte großen Spaß, denn ich habe mir ein kompliziertes aber spannendes Spielfeld ausgesucht. Die engen Gassen der südfranzösischen Parfumstadt Grasse sind in den späten Nachmittagsstunden so voller Licht und Schatten und Farben, dass es eine Wonne ist. Ich fand eine gute Ecke nach der anderen, an der ich stehenblieb und lauerte. Mein Spiel funktionierte hervorragend und ich verbrachte einen berauschenden Abend – im Licht-Farben-Flow. Trotz der Größe und Gewicht ist der Vorsatz ein wirklich großartiges Weitwinkelobjektiv, mit dem die Kamera schnell und präzise funktioniert. Die Menschen sahen mich, aber die Kamera wirkte nicht bedrohlich. Wir standen dicht beieinander und redeten, während ich gleichzeitig aus der Hüfte im einstudierten Winkel knipsen konnte. Bei dieser Methode entsteht viel Ausschuss, aber dann muss ich halt Zeit zum Aussortieren aufbringen - brauchbare Bilder entstehen so allemal. Und vor allem hat das alles viel Spaß gemacht. Das Weitwinkel konnte ich insofern gut nutzen, weil in Grasse gerade diese pinkfarbenen Sonnenschirme über manchen Gassen aufgespannt wurden. So konnte ich die bunten Schirme oben und die Schattenspiele auf dem Boden mit den Menschen dazwischen komplett in ein einziges Bild bannen.

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Ricoh Imaging Magst Du einmal ein wenig technisch werden, und erzählen, warum Du denn unbedingt diesen Vorsatz für das Projekt benötigst…

Pia Parolin Die Ricoh GR III hat eine 18-mm-Festbrennweite. Das entspricht in etwa der Brennweite von 28 mm einer Vollformat-Kamera. Das Standardobjektiv, das nicht auswechselbar ist, hat somit einen recht universellen mittelgroßen Winkel. Durch die aufgesetzte Brennweitenverlängerung kann die Brennweite auf 21mm, im Vollformat-Vergleich, verkürzt werden, was mir die fotografischen Spiele in den engen Gassen erst möglich gemacht hat. Mein Fazit zu dem Weitwinkelkonverter: ich finde ihn recht groß und teuer und bin mir nicht sicher, ihn dauerhaft zu benutzen. Der Weitwinkelkonverter macht Spaß, erhöht für mich aber nicht den eindeutigen Vorteil dieser Kamera: dass sie klein und unscheinbar ist. Ich mag die GRIII, weil ich nicht als professionelle Fotografin, sondern als Touristin eingestuft werde. Die Schnelligkeit und hervorragende Bildqualität sind für eine so kleine Kamera wirklich genial. Und sie ist immer dabei. In der Regel ist die Ricoh GRIII, so wie sie ist, für meinen Gebrauch schon recht perfekt. Da es an der Kamera keinen ausklappbaren Monitor gibt, kann ich bei starkem Licht den Ausschnitt nicht richtig bestehen. Aber bei den Bildern mit dem Weitwinkel, habe ich genügend auf dem Bild, und kann den Ausschnitt etwas zurechtschneiden und den Horizont, wenn nötig, geraderücken.

Ricoh Imaging Vielen Dank für Deinen Praxisbericht, vielleicht treffen wir uns ja mal auf der Straße beim Fotografieren…

Pia Parolin (lacht) …und kommen dann zusammen in den Flow der Streetphotography... Ja vielen Dank für das Gespräch, es hat Spaß gemacht einmal über meine Art de Fotografie zu sprechen.

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